Zu laut? Direkt anzeigen – gehts noch?

Ein Kumpel … nennen wir ihn Fridolin … hat einen Zettel von seinen Nachbarn im Postkasten, nachdem er an einem schönen Sommerabend mit ein paar Freunden seinen Geburtstag nachgefeiert hat … Anzeige droht … gehts noch?

Es ist ein schöner Sommerabend. Die Wärme der vergangenen Tage steckt noch in der Wohnung von Fridolin – zum Glück hat er einen Balkon. An diesem Samstagabend erwartet Fridolin etwa neun Gäste. Fridolin hatte Geburtstag und hat darum seine Freunde zu ein paar Snacks und einem kleinen Umtrunk eingeladen.

Die Zusammenkunft kann beginnen

Gabeln-Maik-MeidAlles ist angerichtet. Aus dem Fernseher kommt die Musik (die alleine darum schon nicht mega laut ist), der Elektrogrill nimmt seine Arbeit auf und die Gäste kommen nach und nach – man sitzt auf dem Balkon des Mehrfamilienhauses.

Der Abend vergeht. Manchmal wird ein Lied etwas lauter gemacht, weil man sich in die 90er zurückversetzt fühlt … dann wird die Musik aber auch schnell wieder leiser gemacht, weil Fridolin auf die Nachbarn Rücksicht nehmen will – richtig so.

Der Abend vergeht. Es war ein schöner Abend. Fridolin geht ins Bett.

Der nächste Tag … böses trauriges Erwachen

Am nächsten Tag findet Fridolin einen Brief in seinem Postkasten – von Menschen aus dem Nachbarhaus. Eine Beschwerde (ohne Datum). Scheinbar ist der Vorabend gemeint. In dem Brief werden irgendwelche Paragraphen zitiert ohne richtige Quellenangaben und es wird bei wiederholter nächtlicher Ruhestörung mit einer direkten Anzeige gedroht … genau eine Anzeige.

Ein Grundrecht auf Feiern in der Wohnung gibt es nichtaus dem Brief

Fridolin schluckt und hat ein schlechtes Gewissen. Hat doch gar niemand an der Tür geklingelt, angerufen oder etwas den Balkon hochgerufen. Auch Polizei war wegen einer Ruhestörung nicht im Einsatz … aber beim nächsten Mal gibt es direkt eine Anzeige …

Ab sofort nur noch absolute Ruhe

Ruhe-Schweden-Maik-MeidWann ist das nächste Mal? Wenn man wieder an einem lauen Sommerabend auf dem Balkon sitzt und sich unterhält? Zugegebene: an dem besagten Abend könnte es etwas lauter gewesen sein … aber eine Anzeige? Wegen einer solchen Kleinigkeit? Lächerlich in meinen Augen!

Lösungsansatz

Ich weiß gar nicht so recht, weil eigentlich fehlen mir die Worte. Vielleicht hilft es beim nächsten Mal einfach kurz rüberzukommen und zu klingeln, wenn es denn so massiv laut ist? Vielleicht hilft es aber auch, einfach mal drüber hinwegzusehen/hinwegzuhören, wenn Menschen zusammensitzen und Freude am Leben haben?
Aber nein … beim nächsten Mal gibt es direkt eine Anzeige … traurige Welt. Und liebe Nachbarn von Fridolin: wehe ihr sitzt mal Sonntagsmittags draußen und unterhaltet euch zu laut … dann hört Fridolin einfach weg, denn so ist das Leben.

Fridolin hat den Nachbarn übrigens nett und freundlich geantwortet. Bei einem erneuten Vorfall mögen sie doch einfach klingeln oder anrufen … ist doch einfacher.

Achso: Aus dem Haus in dem Fridolin wohnt hat sich übrigens niemand beschwert – auch nicht die unmittelbaren Nachbarn … und ein Grundrecht, dass jeder Pups zur Anzeige gebracht wird gibt es in meinen Augen übrigens auch nicht – oder doch!?

Die Fotos in diesem Beitrag sind allesamt von dem von mir geschätzten Maik Meid. Er stellt bei Flickr (CreativeCommons by-nd Maik Meid) einen Großteil seiner Fotos für die Nutzung zur Verfügung – danke dafür.