Teilzeit. Vollzeit. Bitte?

Teilzeit? Vollzeit? Was ist das eigentlich? Ich arbeite bei der Ev.-Luth. Kirche in Oldenburg mit einer regelmäßigen wöchentlichen Arbeitszeit von 38,5 Stunden. So sagt es mein Dienstvertrag und gemäß Tarifvertrag ist das wohl Vollzeit. Im Rahmen dieser Vollzeitstelle habe ich unterschiedliche Schwerpunkte. Als Referent für Öffentlichkeitsarbeit tue ich andere Dinge als mit dem anderen Teil der Stelle als Geschäftsführer. Also doch Teilzeit? Ich bin unsicher. 

Warum ich mich überhaupt damit befasse? Seit einiger Zeit beschäftigt mich das vielfältige Thema Arbeit. Arbeit und Privatleben. Arbeitsweisen. Arbeitszeiten. Arbeitsorte. In einer Blogparade mit dem Titel „Lasst uns Teilzeit-Geschichte(n) schreiben!“ will ich mitmischen. Als Vollzeit-Angestellter. Als Teilzeit-Tätiger. 

Was ist eigentlich Vollzeit?

Vollzeit: Arbeitszeit, die der normalen Wochenarbeitszeit entspricht

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Die grundlegende Frage mag also wohl sein, was dieser Begriff Vollzeit eigentlich aussagt. Für die einen sind es tariflich gesehen 38,5 Stunden die Woche, für andere wiederum 40 Stunden. Und man hört auch von experimentellen Arbeitgebern mit der so genannten 30 Stunden Woche. Und dann kommt noch hinzu, dass für einige Menschen 5 Arbeitstage Vollzeit ist und für andere 6 Tage.
Ich stelle also relativ schnell fest, dass Vollzeit durchaus unterschiedlich ist. Ein Kollege sagte mal zu mir, dass er nicht 38,5 Stunden arbeitet sondern 100 %. Auch ein spannender Ansatz. 

Und so tue ich mich schwer. Mit der Aussage von Vollzeit. Von Arbeitszeit insgesamt. Macht sich Arbeitsleistung eigentlich an Stunden fest oder nicht eher an Ergebnissen?

Nur weil jemand 38,5 Stunden die Woche im Büro ist hat er ja noch lange nicht 38,5 Stunden gearbeitet. Und nur weil jemand vermeintlich im HomeOffice 40 Stunden arbeitet sind das nicht pauschal 40 Stunden Arbeitszeit. 

Von gefühlter Arbeitszeit

In meinem Alltag beschäftige ich mich häufig mit gefühlter Arbeitszeit. Manche Tage sind wirklich lang. Da arbeite ich morgens drei Stunden, nachmittags noch ein kurzes Meeting und abends mit Ehrenamtlichen noch eine Vorbereitung. Was ein langer Tag. Zerfleddert allemal. Aber reine Arbeitszeit? Sicherlich keine 12 Stunden, obwohl es sich so anfühlt. 
Das ist doof. Manchmal. Und für manche Menschen ganz besonders. Ich habe für mich einen guten Weg gefunden. Und ich habe das gewusst als ich mich für diesen Beruf entschieden habe.

Homeoffice und Teilzeit klingt für viele nach „Ferien auf dem Bauernhof“

frankys.blog

Aber meinem persönlichen Umfeld fällt es schwer. Schwer zu verstehen wie ich so „doofe Arbeitszeiten“ haben kann. Dass ich mir mal einen Arbeitgeber mit „vernünftigen Arbeitszeiten“ suchen sollte. Meine Arbeitszeiten sind klasse. Bei aller Zerfledderung. Für mich ganz persönlich. Für unsere Familie in Teilen. Darauf bin ich beim Thema Remote Work auch etwas detaillierter eingegangen.
Alle Arbeitszeitmodelle sind eben nicht pauschal für alle gut. Die einen arbeiten lieber in Teilzeit, die anderen in Vollzeit und wieder andere noch anders.

Wochenenden?

Durch sehr flexible Arbeitszeiten bin ich also wohl nicht der klassische Vollzeit-Arbeitnehmer. Durch eine Frau im Schichtdienst haben Wochenende bei uns beispielsweise auch einen ganz anderen Stellenwert als in anderen Familien. Und so bin ich froh auch unter der Woche freie Tage zu haben, selbst wenn ich dafür manchmal am Wochenende arbeiten muss. Und auch wenn ich viele 7 Tage Wochen habe, so kommen auch immer mal wieder ruhigere Zeiten.

Diese Freiheit bringt unheimlich viele Vorteile und Chancen mit sich. Chancen die man begreifen und gestalten muss. Dafür ist es manchmal schwer und herausfordernd. Pauschalisierung? Unmöglich und unnötig.

Kaffee zum Frühstück auf der Terrasse – während der Corona-Pandemie neu zu schätzen gelernt

Corona

Und weil Corona eben auch bei mir das Berufsleben noch einmal verändert hat darf der Absatz hier nicht fehlen. Durch die Pandemie war ich gezwungen mehrere Wochen von Zuhause zu arbeiten. Ausschließlich. Remote Work war schon vor Corona ein Thema, jetzt aber noch wesentlich verstärkt.

In meinem beruflichen Umfeld haben vermutlich alle bemerkt, dass Digitalisierung und Remote Work keine unwichtigen Themen sind. Keine Themen die uns nichts angehen. Sondern vielmehr Themen die endlich angegangen werden müssen.

Die Corona-Pandemie hat meine Einstellung auf das Thema Arbeit weiter verändert. Ich liebe meinen Beruf. Ich arbeite mit und für junge engagierte Menschen. Wir stellen was auf die Beine und zeigen noch mehr Menschen, wie wichtig die Evangelische Jugend in der Lebenswelt vieler junger Menschen ist. Und dafür gebe ich viel. Viel Arbeits- und Lebenszeit. Viel Engagement. Und ich bekomme neben kuriosen Arbeitszeiten eine ganze Menge zurück. Dafür bin ich dankbar.

Und jetzt?

Was ich also Menschen empfehlen kann? Weder Voll- noch Teilzeit. Ich kann aus eigener Erfahrung empfehlen das zu tun was man gerne tut und was zu einem selbst passt. Vollzeit, Teilzeit, geregelte Arbeitszeiten, flexible Arbeitszeiten. Sucht das Modell das zu euch passt. Und macht was euch Freude bereitet.

Und vor allem denkt bei allen Dingen immer daran, dass nach Dunkelheit meistens wieder Licht kommt. Nach stressigen Phasen auch mal Phasen zum Luft holen. Und wenn die negativen Dinge Oberhand gewinnen, dann ändert was.

Zeigen wir der Welt da draußen, dass Arbeitszeitmodelle schon lange kein Einheitsbrei mehr sind. Dass wir Flexibilität brauchen damit wir motiviert und engagiert arbeiten können.

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Bild: CC BY-SA 4.0 Maik Meid