Remote Work. Einige Gedanken.

Nachdem ich gestern eine knappe halbe Stunde mit Frank Glanert über das Thema Remote Work gesprochen habe treibt mich das Thema mehr um als zuvor. Danke Frank.
Liegt es daran, dass ich den Begriff selbst bisher selten genutzt habe? Oder liegt es vielleicht daran, dass wir Remote Work so häufig mit Home Office vermischen?

Ich versuche es eingehend mit einer Definition dieser beiden Begriffe, um für mich selbst etwas mehr Trennschärfe zu schaffen.

Home Office? Remote Work? WTF.

Home Office bedeutet für mich die Arbeit im heimischen Office. An einem Schreibtisch in einem Büro. Aber ist der Ort an dem ich jetzt gerade diesen Blogbeitrag schreibe mein Home Office oder schon Remote Work? Ich sitze auf der Terasse. Trinke einen Kaffee und vor mir geht die Sonne auf – vielleicht sieht man es auf dem Beitragsbild. Aber weiter im Text.
Remote Work bedeutet laut Google Übersetzer „Heimarbeit“. Spannend. Wo ich doch unter Remote Work verstehe, dass ich jederzeit an jedem Ort (solange ich in der Regel Internet habe) arbeiten kann.
Für mich definiere ich Home Office als das heimische Büro und Remote Work als alles außerhalb meines Büros in Oldenburg. Vielleicht spreche ich aber auch generell einfach nur noch von Remote Work? Ich bin verwirrt.

Corona beschleunigt

Dennoch sind diese Begrifflichkeiten spätestens seit Beginn der Corona-Pandemie in aller Munde. In unzähligen Unternehmen ist die Arbeit außerhalb der klassischen Büroräume plötzlich möglich geworden. Vorher an vielen Orten undenkbar, ging es in diesen Zeiten ganz schnell.
Auch bei meinem Arbeitgeber lief es so – wobei ich schon lange die Möglichkeiten von Remote Work nutzen darf und kann.

Aber ich habe keine Lust mehr auf Corona. Auf den Virus sowieso nicht, aber vor allem auch nicht darauf immer von „vor oder nach Corona“ zu sprechen. Die Gesellschaft hat sich verändert. Das Leben hat sich verändert. Einstellungen haben sich verändert. Hoffentlich nachhaltig.

Verordnete Kreativität? Nein danke.

Für kreative Prozesse bringt mir ein Arbeitsplatz in einem tristen Bürogebäude genau gar nichts. Verordnete Kreativität funktioniert für mich nicht – weder zeitlich noch örtlich festgelegt.

Die letzten Wochen habe ich gelernt was es bedeutet zwischendurch einfach mal rauszugehen, frische Luft zu schnappen, eine Runde zu schaukeln, mit dem Kind zu spielen, Kaffee auf der Terrasse zu trinken und dann mit neuer Energie zurück in den Prozess. Ohne zweistündige Fahrt ins Büro.

Die Kolleg*innen haben mir gefehlt. Klar. Sie fehlen mir auch heute noch. Als wir nach neun oder zehn Wochen zurück in die Büroräume dürfen ändert sich gar nicht so viel. Die Fahrt ins Büro stellt eine Ausnahme dar. Das liegt wahrscheinlich auch daran, dass viele Kolleg*innen noch nicht wieder regelmäßig im Büro anzutreffen sind. Dass nach wie vor wenig Termine mit physischen Treffen zusammenhängen.

Ausbeutung? Zersplitterte Tage

Die dunkle Seite? Arbeitstage sind zersplittert. An einigen Tagen starte ich um 6 Uhr und der letzte Termin beginnt um 20 Uhr. Dazwischen freie Zeit. Mit der Familie. Mit Freunden. Qualitätszeit.
Ja, die Tage sind zersplittert. Seit Wochen. Das ist anstrengend und bietet gleichzeitig viele Vorteile und Freiheiten.

Familie und Beruf. Anstrengend aber unbezahlbar.

Vereinbarkeit von Familie und Beruf gelingt, auch wenn es durch Corona nach wie vor eine Ausnahmesituation ist. Der Sohn sollte Anfang April in die Kita. Und auch wenn meine Frau systemrelevant ist, ohne Eingewöhnung keine Kita für den Kleinen.
Die Vorteile? Ich sehe meinen Sohn aufwachsen, ich bin dabei wie er immer mehr redet, wie er wächst und wie er jeden Tag neue Dinge lernt. Wenn ihr mich fragt: das ist unbezahlbar. Und ja, dafür nehme ich die anstrengenden Wochen und Monate gerne auf mich, auch wenn es manchmal wirklich hart war und ist.

Remote Work? Passt für mich.

Für mich passt das Modell mehr als gut. Ich mag diese Art und Weise der Arbeit. Freiheit. Flexibilität. Und wenn Freunde und Familie das manchmal nicht verstehen (können), weil sie lieber von 7 bis 16 Uhr arbeiten, bleibt mir nur zu sagen: jede*r ist anders – zum Glück.

Meine ersten Gedanken. Das Thema wird mich weiter beschäftigen. Stay tuned.