Handyabschaltblödsinn

Ich stehe manchmal an Punkten an denen ich mich frage, welche Aussage mich mehr ärgert bzw. nervt: „Schaltet doch mal für eine Woche das Handy aus“ oder „Geht doch einfach mal offline“ oder „Früher hatten wir auch keine Handys“.

Aussagen, die sich im Kern gar nicht so sehr voneinander unterscheiden und dennoch in aller Regel totaler Blödsinn sind. Klar, Medienkonsum zu be- und überdenken ist wie bei allen anderen Dingen sinnvoll und wichtig.

Ich frage mich

Was haben Menschen dadurch gewonnen, dass ich mein Handy beiseite lege oder was erhoffen sie sich dadurch eigentlich? Dass ich keine Nachrichten mehr konsumieren kann, dass ich keine Tageszeitung mehr lese, dass ich keine Musik mehr höre, dass ich meine verbleibenden sozialen Kontakte in Zeiten einer globalen Pandemie nicht pflegen kann? Oder dass ich mein Lieblings-Dutch-Oven-Rezept nicht zubereiten kann, weil sich neben meiner Einkaufsliste eben auch meine Rezepte auf diesem Gerät befinden? Mal ganz zu schweigen von den Kaffeekreationen, die ich erst seit kurzer Zeit zubereite und nicht im Kopf und auch nicht auf Papier habe. Mal abgesehen von dem kurzen Rat zu einer Aquarienbeleuchtung, den ich in diesen Zeiten sonst wohl nie bekommen hätte.

Es ist doch totaler Blödsinn ein Gerät wie das Smartphone auch heute noch viel zu oft auf „Gedaddel“ zu reduzieren. Es ist das Kochbuch, das Telefon, die Büchersammlung, die Einkaufsliste, die Musiksammlung, das Lexikon und so vieles mehr.

Medienkonsum reflektieren ist wichtig und richtig

Und ja, den eigenen Medienkonsum für reflektieren halte ich für mehr als sinnvoll und wichtig. Und wenn ich dann zu dem Schluss komme, dass ich das Gerät mal ausschalte, dann tue ich das. Verordnet haben möchte ich das aber nicht.
Ich schreibe auch niemandem vor kein Buch mehr zu lesen, die Musik abzuschalten, keinen Kaffee mehr zu kochen oder auf andere Dinge zu verzichten nur weil ich meine, dass das sinnvoll sei.
Weil ich eben gar nicht beurteilen kann wie es dem oder der anderen mit einer solchen Aussage geht, was ihm oder ihr fehlt und ob es letztlich irgendwas ändert in welche Richtung auch immer.

Kurzum

Reflektiert euer eigenes (Mediennutzungs-)Verhalten und sprecht gerne mit anderen Menschen darüber. Aber wenn ihr zu der Auffassung kommt weiter online zu sein, dann tut das auch und erwartet nicht von anderen Menschen das zu tun was für euch gut ist. Und wenn ihr ein paar Tage auf bestimmte Dinge verzichten wollt, dann tut das. Und wenn das Menschen in eurem Umkreis tun, dann respektiert das.

Ich weiß auch, dass die Thematik an dieser Stelle nur leicht angekratzt wird. Raus muss es aber trotzdem.
Und kleiner Tipp an alle die sich von anderen Benachrichtigungen immer gestört fühlen: Pushbenachrichtigungen kann man abschalten und das kann wirklich gut tun. 🙂

Und noch ein Tipp zum Thema Medienkompetenz, Medienbildung und Mediennutzung: Podcast emm027: Medienpädagogik: Medienkompetenz, Medienbildung und mehr

Bild: C BY-SA 4.0 Maik Meid