Digitalisierung. Wo anfangen?

Digitalisierung beschränkt sich (nicht nur) in Kirche häufig auf die Bereitstellung einer *.pdf-Datei auf einer Website – im Extremfall eine ausgedruckte Datei, die dann wieder schlecht eingescannt wurde. Anmeldemöglichkeiten in der digitalen Welt bedeuten noch sehr oft: Download einer Datei, die dann mit einem Stift ausgefüllt werden muss und nur mit Glück eingescannt digital eingereicht werden kann – manchmal auch per Post oder Fax.

Warum ist das so?

Es fehlt an technischer Ausstattung. Der Arbeitgeber muss doch mal gute Technik zur Verfügung stellen. iPads für alle. So ein Blödsinn. Aber Blödsinn, der mir im Alltag häufig begegnet. Engagement und Bekenntnis zu Digitalisierung hängt nicht in erster Linie von technischer Ausstattung ab. Gleichzeitig ist ein vermeintlicher Mangel in diesem Bereich wohl die Ausrede Nummer 1.

Ich glaube und bin der festen Überzeugung, dass es in aller erster Linie bei der Digitalisierung dort zu Problemen kommt, wo Menschen neue Entwicklungen nicht an sich heranlassen wollen. Da wird dann gerne die mangelhafte Ausstattung vorgeschoben, wenn das Argument „wir sind alle gläsern“ nicht mehr ausreicht.

Das mag mit Unwissen oder Angst zusammenhängen. Und bei beiden Dingen ist es wichtig, dass wir als die unängstlichen Erfahrenen versuchen die anderen Menschen an die Hand zu nehmen (natürlich wegen Corona nur im übertragenen Sinne).
Es ist an uns die Ängste zu hören und darüber zu sprechen. Argumente zu finden ohne jemanden in den Boden zu argumentieren. Und es ist an uns unsere Erfahrungen zu teilen, darüber zu sprechen und zu zeigen was geht – ohne die Erwartung, dass alle das gut finden was wir tun oder sie es auch tun müssen.

Das will ich tun

Und damit fange ich jetzt an. Ich versuche künftig weniger als vorausgesetzt zu betrachten. Ich möchte mehr Menschen an den Basics teilhaben lassen, die viel zu oft vorausgesetzt werden – auch von mir.

Der Upload einer *.pdf-Datei wird für mich niemals Digitalisierung sein.

Lucas Söker

Und nein, der Upload einer *.pdf-Datei wird für mich niemals Digitalisierung sein und ja, wir haben noch sehr viel zu tun. Nicht nur in Kirche aber gerade auch dort. Und wo ich dachte, dass wir in der Corona-Pandemie viele gute Erfahrungen gesammelt haben, kommt langsam aber sicher die Ernüchterung durch: zu viele Menschen wollen einfach zurück zum Alten und zu viele Menschen glauben, dass Corona demnächst wieder weg ist.
Das schadet der Digitalisierung nicht nur in unserem Bereich. Da müssen wir ran. Wegducken wird nicht gelingen, das verspreche ich euch 🙂

Direkt loslegen

Der Landesjugendring Niedersachsen lädt am 29. September zu einem digitalen Informationsaustausch zu Juleica-Online-Bausteinen ein. Im Rahmen eines Barcamps wollen Aktive aus der Jugendarbeit ins Gespräch kommen und sowohl über Möglichkeiten als auch Grenzen einer digitalen Juleica-Ausbildung diskutieren. Wir wollen voneinander lernen und gemeinsam aktuell geltenden Regeln und Richtlinien zur Ausbildung zu schauen.

Und genau dort werde ich dabei sein und über meine Erfahrungen berichten und vor allem andere Erfahrungen hören. Denn auch wenn Corona irgendwann mal wieder weg ist, die nächste Pandemie kommt bestimmt. Und auch wenn es nie wieder eine Pandemie geben würde, sollten wir endlich verstehen, dass auch Bildungsarbeit in der digitalen Welt unsere Aufgabe ist.

Packen wir es an. An den Wurzeln.